Dienstag, 11. Februar 2003  
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Badische Zeitung vom Dienstag, 11. Februar 2003

Aus China an den Waldsee
2,5 Tonnen wiegt der "Fünfseitige Meister des Lichts", der bei Busses Waldkurbad enthüllt wurde

OBERWIEHRE/WALDSEE. Doris Schulte hat beim Fahrradfahren in der Nähe des Mannheimer Luisenparks einen Stein gefunden. Nicht irgendeinen, sondern einen 2,5 Tonnen schweren chinesischen Lochstein aus dem Tai-Hu-See. Er kam nun auf wundersamen Wegen nach Freiburg und wurde am vergangenen Samstag vor dem Waldkurbad am Möslepark feierlich enthüllt.

"Zwischen Baustoffen und -schutt habe ich plötzlich diesen sonderbaren Stein gesehen," sagt Doris Schulte, die in Mannheim lebt. Sie rief ihren Lebensgefährten Paul Busse, Betreiber des Freiburger Waldkurbades, an und berichtete ihm von dem unebenmäßigen, durchlöcherten, von roten Adern durchzogenen Block. Sogleich setzte dieser sich in den Zug, um zu sehen, ob er vielleicht für diesen Stein Verwendung habe. In Mannheim angekommen, hieß es, er könne den Felsblock gleich mitnehmen. Der Findling sei als einziger von 200 Tonnen chinesischem Stein übrig geblieben, die der Mannheimer Luisenpark zur Einrichtung seines chinesischen Gartens bestellt habe. Für den einen hätten die chinesischen Planer keine Verwendung mehr.

Eine Woche später, am 12. November 2001, holte Paul Busse seinen Koloss nach Hause. Dort lag der "Fünfseitige Meister des Lichts", wie er heute genannt wird, erst einmal herum, weil Busse auf seinem Grundstück baute und zunächst kein geeigneter Platz für den besonderen "Knochen der Erde" gefunden wurde. Doch der große Tag des Steins sollte kommen: Zur feierlichen Enthüllung des steinernen Meisters reiste sogar der chinesische Botschaftsrat Ma Guoqing aus Bonn an.

Dieser zeigte bei der feierlichen Enthüllung des Steins fernöstliches Einfühlungsvermögen: "Der Stein hat ja auch Heimweh. Er wurde vom Mutterleib entfernt, dann über Tausende von Kilometern nach Deutschland gebracht. Aber hier bei Paul Busse hat er eine geeignete neue Heimat gefunden." Für Menschen aus dem europäischen Kulturkreis mag es sicherlich sonderlich aussehen, dass ein solch hoher Staatsbeamter wegen der Enthüllung eines Steinblocks extra von Bonn nach Freiburg reist.

Doch der Stein ist ein wichtiger Bestandteil chinesischer Kultur. So hat es in China Tradition, Gärten mit Steinen zu schmücken. Ein Beispiel hierfür sind die kunstvoll angelegten Miniaturlandschaften um die traditionellen Bonsaibäume. "Der Wert eines Steines wird in China nicht nur nach kaufmännischen Aspekten bemessen, sondern gilt als Teil der ursprünglichen Natur," so Peter Greiner vom sinologischen Institut in Freiburg.

Der rund ein Meter fünfzig hohe "Fünfseitige Meister des Lichts" mit seinen Furchen und Schrunden soll nun die Freiburger zum Innehalten animieren. "Der Meister will sagen, dass er seine eigene dramatisch-bewegte Lebensgeschichte mit ansteckender Ruhe und Gelassenheit zu genießen versteht - eine Einladung an den Betrachter, innezuhalten und in sich zu gehen," sagte Busse und zog die beiden weißen Bettlaken vom Felsblock.

kaf



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